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Fotoausstellung:

Noch bis Donnerstag Abend ist in der HfG Karlsruhe die Fotoausstellung „Grenze“ zu sehen, an der ich beteiligt bin. Oben seht ihr ein Bild vom Aufbau letzte Woche.

Ich zeige die Arbeit „Palliativ“. Auf der Palliativstation im Uni-Klinikum Mannheim habe ich über längere Zeit Menschen besucht, interviewt und fotografiert. Menschen, die unheilbar krank sind. Für mich ist das ein herausforderndes (weil inhaltlich schweres) und schönes (weil von interessanten Begegnungen bestimmtes) Projekt.

In der Ausstellung zeige ich neun Schwarz-weiß-Abzüge, die ich im Labor entwickelt habe, sowie Auszüge aus den Interviews. Außerdem habe ich ein Buch drucken lassen, indem alle 27 Bilder der Serie und noch mehr Texte zu sehen sind.

Warum ein so heftiges Thema? Die Arbeit entstand im Foto-Seminar „Grenze“ bei Julia Baier (die, nebenbei bemerkt, als Seminarleiterin ganze Arbeit geleistet hat). Unsere Aufgabe war es, uns dem Begriff Grenze auf unsere Weise fotografisch zu nähern. In der Einleitung zum Buch schreibe ich:

Ich weiß wenig über den Tod. In meinem Alltag spielt er keine Rolle. Anders ist es auf einer Palliativstation: Hier, wo unheilbar Kranke behandelt werden, gehört der Tod dazu. Dieses Buch ist der Versuch einer Annäherung.

Drei Patienten auf der Palliativstation des Universitätsklinikums Mannheim ließen sich über mehrere Monate von mir fotografieren und interviewen. Mein Ziel war es dabei ausdrücklich nicht, ihr Leid zur Schau zu stellen – auch wenn es an mancher Stelle sichtbar wird. Vielmehr wollte ich eine Ahnung davon bekommen, was es für einen Menschen bedeutet, der Grenze Tod nah zu sein. Deshalb sind hier Fragmente aus den Interviews abgedruckt. Nur so ist die Situation der Patienten ansatzweise zu verstehen.

Die Begegnungen mit den Patienten waren für mich sehr eindrücklich. Wenn unsere Gespräche das Thema Tod streiften, verblüfften sie mich regelmäßig. Ich werde nicht vergessen, wie Dagmar Schneider zu mir sagte: „Wer sagt, dass ich nicht sterben darf? Wenn meine Zeit kommt, sterbe ich, Punkt. Das ist in Ordnung so.“ Trotzdem: fast immer begegnete ich einem großen Willen, zu leben.

Das positive Feedback, das ich von den Patienten, ihren Verwandten und Oberarzt Prof. Dr. Buchheidt bekam, tat gut – gerade bei einem Projekt, das von Natur aus eine Gratwanderung ist. Bei der Ausstellungseröffnung nahm mich ein Mann beiseite, der selbst vor ein paar Jahren seine Tochter verloren hatte. Er war sehr berührt und zeigte mir Fotos von ihr auf seinem Handy. Meine Arbeit gefiel ihm. Ich war froh.

„Fotoausstellung: „Palliativ“ in der HfG Karlsruhe“ · 23.11.2010 · Kommentare (1)